Ist Aspartam wirklich gesundheitsschädlich?

"Cola Zero? Bist du verrückt? Ich trinke und esse doch nichts, das Aspartam enthält?  Aspartam ist giftig! Außerdem ist es krebserregend. Zu Demenz führt es obendrein. Es regt den Hunger an und ist damit ein Dickmacher!" Wer von euch hat diese Aussagen noch nicht von einem Studiokollegen gehört? Wo man auch hinhört, wird Aspartam gemieden.

Woher kommt die Angst vor Aspartam?

Im Zuge der Zulassung des Süßstoffes präsentierte uns eine amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel eine Liste mit stolzen 92 gesundheitlichen Nebenwirkungen, die nach einer Aspartamvergiftung auftreten können. Darunter fallen Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Orientierungsstörungen. Aber auch Impotenz und sogar Gehirntumore sollen bei einer Vergiftung möglich sein. Zu beachten ist folgendes: Dies sind alles Auswirkungen einer Überdosierung! Einer Vergiftung. Welche Substanzen haben bei einer starken Überdosierung keine Nebenwirkungen? Der "No observable effect level" von Aspartam, kurz NOEL, der angibt, welche Menge von einer Substanz aufgenommen werden kann, ohne Nebenwirkungen zu erleiden, liegt bei 2000mg Aspartam pro Tag und Kilogramm Körpergewicht.
Der NOEL stellt aber noch nicht die Zufuhrempfehlung dar. Dies regelt der "Acceptable daily intake"-Level (kurz: ADI). Er ist ein Hundertstel des NOELs. Im Falle des Aspartams wären das 20mg pro Kilogramm Körpergewicht. Es ist ein Hundertstel der Menge, die für absolut sicher gehalten wird. Mittlerweile wurde der ADI-Wert sogar auf 40mg angepasst. Gehen wir einmal von einer 80 Kilogramm schweren Person aus. Dieser könnte 3,2g (Rechnung: 80*40 = 3200mg) Aspartam täglich aufnehmen, um auf ein Hundertstel der Menge zu kommen, die als völlig unbedenklich gilt. Nehmen wir als Beispiel mal Coca-Cola Zero.

26 Liter Coca-Cola Zero täglich unbedenklich

Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass Coca-Cola Zero 120mg Aspartam pro Liter enthält. Eine 80 Kilogramm schwere Person könnte demnach über 26 Liter täglich von diesem Produkt trinken, um auf ein Hundertstel der Menge zu kommen, die als unbedenklich eingestuft wurde. 26 Liter! Ich kenne in der einige Personen, die  viele Light-Produkte konsumieren, aber keinen der 26 Liter trinkt. Und solltet ihr jemanden findet, lebt dieser nicht einmal ungesünder als ihr 🙂

Fruchtsäfte "ungesünder" als Diät-Cola

Die anfallenden Abbaustoffe von Aspartam sind Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol. Natürlich ist Methanol giftig. Das bestreitet niemand. Beim Abbau von Aspartam wird von der konsumierten Aspartammenge rund 10% Methanol freigesetzt.  Gehen wir wieder von 120mg Aspartam pro Liter Coke Zero aus, sind dies 12mg Ethanol. Zum Vergleich: 100g frisch gepresster Tomatensaft hat einen Methanolgehalt von 10mg. 1 Liter demnach 100mg Methanol. An alle Aspartam-Angsthasen dort draußen. Es tut mir leid, aber ihr dürft nie wieder Fruchtsäfte zu euch nehmen. Insbesondere Tomatensaft sollte gemieden werden.

 Demnach ist Aspartam doch nicht ungesund?

Meiner Meinung nach nicht gefährlicher als Tomatensaft 😉 Eine Studie aus Amerika belegte, dass ein typischer amerikanischer Bürger ca. 300-400mg Aspartam täglich konsumiert. (Anmerkung: In Deutschland sind Light-Produkte noch nicht ganz so stark vertreten, weshalb der Wert noch einmal darunter liegen müsste). Ihr könnt die Rechnung wahrscheinlich schon auswendig, aber nochmal zur besseren Darstellung. 300mg Aspartam sind weniger als ein Zehntel, von einem Hundertstel der Menge, die als vollkommen unbedenklich gilt!

Europa ist sich einig

Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit verkündete nach der umfassendsten Aspartamuntersuchung und Bewertung, dass Aspartam in den derzeitigen Expositionsmengen vollkommen sicher ist. Im Zuge der EFSA-Untersuchung durchgeführte Human- und Tierstudien widerlegen eine Erbgutschädigung und Krebsbildung. Auch Schäden an Gehirn oder Nervensystem konnten nicht bestätigt werden. In ihrem Gutachten wurde weiterhin angeführt, dass Phenylalanin, Methanol und Asparaginsäure - die Abbauprodukte von Aspartam - auch in natürlichen Lebensmitteln vorkommen. Die EFSA versichert keine gesundheitlichen Auswirkungen bei Einhaltung des ADI-Wertes und gibt diesen  auch für Kinder und schwangere Frauen frei.

Fazit:

Trotz der Unbedenklichkeit des Süßstoffes muss man anmerken, dass die Nutzung des Stoffes nichts mehr mit einer natürlichen und naturbelassenen Ernährung zu tun hat. Aspartam ist nicht mehr oder minder "gefährlicher" als andere Süßstoffe. Einen so schlechten Ruf hat Aspartam aufgrund von "Studien", die äußerst unprofessionell durchgeführt wurden, Mängel und Fehler in ihrer Durchführung und Beurteilung aufweisen und mit Aussagen wie "Aspartam krebserregend" das Ziel verfolgen stark zu polarisieren. Ich persönlich verzichte weitgehend auf jegliche Süßstoffe. Nicht aus Angst vor gesundheitlichen Schäden, sondern, weil ich meine Ernährung größtmöglich naturbelassen gestalten möchte. Ab und an gönne ich mir aber ein Light-Getränke oder süße meine Pancakes damit. Besonders in der Diät sind sie eine super Angelegenheit, um Kalorien zu sparen. Quellenverzeichnis:

  1. EFSA
  2. Süßstoff-Verband
  3. Aspartame, Neurotoxicity, and Seizures: A Review; Robert S. Fisher Epilepsy 2: 55-64 (1989)
    Effect of storage conditions on methanol content of fruit and vegetable juices; Journal of Food Composition and Analysis 21 (2008)
  4. Magnuson BA, Burdock GA, Doull J, Kroes RM, Marsh GM, Pariza MW, Spencer PS, Waddell WJ, Walker R, Williams GM. Aspartame: a safety evaluation based on current use levels, regulations, and toxicological and epidemiological studies. Crit Rev Toxicol. 2007;37(8): 629-727

Foto By Veronidae (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

6 Gedanken zu „Ist Aspartam wirklich gesundheitsschädlich?“

  1. meist wird über aspartam nur einseitig, nämlich negativ, berichtet – daher vielen dank für diesen ausgewogenen artikel!!! interessant ist, dass die leute wirklich oft glauben, dass bei abbau von aspartam unmengen von methanol freigesetzt werden – und dabei gleichzeitig oft ihren fruchtsaft vergessen, siehe hier: http://www.aspartam.at/aspartam-in-huhn-tomatensaft

    1. Sehr guter Kommentar. Genauso so ist es. Deshalb kann ich die Angst auch nicht wirklich verstehen. Werde die Grafik eventuell in meinen Artikel einbauen, sieht interessant aus. Dass in Huhn ebenfalls Asparaginsäure, Phenylalanin vorkommt, wusste auch ich nicht.

  2. also wenn du schreibst das aspartam nicht ungesünder ist, als jeder andere süßstoff, dann ist das schlicht falsch!

    aspartam hat eine große reihe an möglichen nebenwirkungen. abgesehen vom methanol, was ist damit? Phenylalanin? einer der drei inhaltsstoffe den du garnich erwähnst in deiner aspartampropaganda^^

    du machst es dir auf jeden fall zu leicht.

  3. Ein toller Artikel mit ganz wichtigen Informationen und die Ansichtweise auch mal aus einer anderen Sicht, was ich schon sehr wichtig finde.

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